Stimmungen im leeren Raum

Sicher wissen mittlerweile viele Theaterbesucher, dass Martin Scherm bereits seit einer Spielzeit Ausstattungsleiter am Eduard-von-Winterstein-Theater ist.
In dieser Funktion plant und koordiniert er sämtliche Werkstattarbeiten, lotet mit den Regisseuren technisch umsetzbare Möglichkeiten auf der Bühne aus und ist zudem Mittler zwischen technischen und künstlerischen Mitarbeitern.
„Nebenbei“ ist er aber auch der Bühnen- und Kostümbildner für einzelne Inszenierungen, wobei er in diesen Tätigkeiten besonders kreativ ist – genauso, wie bei seinem fantasievollen Hobby „Zeichnen“. Von diesen Zeichnungen sind zurzeit zahlreiche Arbeiten in einer Ausstellung im Annaberger Theater zu sehen.

Martin Scherm:
„In den Zeichnungen geht es um fiktive Räume und um das Füllen von Leere. Ausgangspunkt für die Arbeiten war ein Modellbau von einer leeren Säulenhalle. Diese leere Halle habe ich gefüllt. Angefangen mit kleinen Modell-Männchen, die im Raum platziert wurden, bis hin zu großen Figuren, die überproportional dazu im Kontrast stehen. Darüber hinaus wurden sie mit Scheinwerfern ausgeleuchtet, um mehr Tiefe und Dramatik bezüglich Licht und Schatten zu erreichen. Davon habe ich Fotografien gemacht. Da ich den Raum durch Figuren und Licht „bearbeitet“ habe, wollte ich auch die Fotografien „bearbeiten“ oder anders gesagt: vom Foto zur Zeichnung „umarbeiten“ (auch weil ich mich selbst nicht sehr als „Fotograf“, sondern mehr als Zeichner sehe).
Die Fragen, die mich interessierten, waren für mich, welche Stimmungen in einem leeren Raum, der aber durch seine Architektur als Säulenhalle einen repräsentativen Grundcharakter hat, ausgelöst werden können, indem man extrem mit den Größenverhältnissen spielt. In den (für mich) besten dieser Zeichnungen denke ich mir zumindest:
Beobachten die kleinen Figuren die großen Figuren (oder die großen Gesichter) – oder umgekehrt?
Das Resultat sind die ausgestellten Bilder.“

Die Bilder sind noch bis Ende der Spielzeit im Stammhaus zu sehen.

Foto: Manfred Riesche